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Michael Koser: Prof van Dusen fährt Schlitten (RIAS 1988) Chef: Frage, was tut unser verehrter Herr Oberbürgermeister? Antwort, nichts oder doch, er grinst, anscheinend glaubt er, die schwerwiegenden Probleme unserer Metropole schlicht und einfach ausgrinsen zu können, und das haben Sie geschrieben, Mr. Hatch. Hatch: Sieht ganz so aus Chef, erstens steht unter dem Artikel groß und deutlich Hutchinson Hatch. Chef: Und zweitens. Hatch: Natürlich der Stil rasant witzig dynamisch intelligent so schreibt nur einer beim guten alten Daily New Yorker oder finden Sie nicht Chef. Chef: Ich will Ihnen sagen was ich finde Mr. Hatch, ich finde das Maß ist voll diesmal sind Sie zu weit gegangen, schlimm genug daß sie sich dauernd mit der Polizei anlegen aber jetzt auch noch mit dem Herrn Oberbürgermeister, am liebsten würde ich sie feuern jetzt hier auf der Stelle, leider wäre ihr Vater. Hatch: Leider wäre mein alter Herr damit gar nicht einverstanden und der hat nunmal die Aktienmehrheit von unserem Weltblatt, tut mir ja leid Chef, aber so werden sie Hutchinson Hatch nicht los. Chef: So nicht Mr Hatch, aber vielleicht anders, mir ist da gerade was eingefallen und zwar. Hatch: Immer dasselbe, der Chefredakteur des Daily NewYorker war anderer Meinung als sein Reporterass, genau wie sein Vorgänger, sie erinnern sich, van Dusens erster Fall und die Sache mit dem Leichenräuber, ich konnte meinen Chefs einfach nicht beibringen wie eine Zeitung gemacht werden muß mit Pfeffer und Paprika nämlich und ohne Respekt vor der Staatsgewalt, deshalb diese unerfreuliche Diskussion am 27. Juli 1899, eine von vielen dachte ich zuerst aber da hatte ich mich geirrt, dem Chef war tatsächlich was neues eingefallen. Chef: Und wissen sie was, Mr Hatch, wir haben schon lange nichts mehr aus Alaska gebracht, von den Goldfeldern am Klondike meine ich, fahren sie mal rauf, machen sie uns eine schöne aktuelle Reportage. Hatch: Chef, das ist doch ein alter Hut, in Alaska buddeln sie schon seit Jahren nach Gold. Chef: Keine Widerrede, Mr Hatch, Gold, Goldrausch, Goldgräber, das ist interessant, das will man lesen, auch wenn es vielleicht nicht mehr ganz taufrisch ist, sie fahren Mr Hatch, am besten gleich morgen, und wenn ihnen das nicht paßt können sie ja kündigen, das steht ihnen frei, na Mr Hatch was sagen sie. Hatch: Ich fahre, sagte ich, gleich darauf tat es mir schon leid, eine lange anstrengende Reise in den hohen Norden nur um den Chef zu ärgern, Schwachsinn, aber wenn H. Hatch einmal ja gesagt hat dann bleibt er dabei, ich packte meine Sachen und am Abend trat ich bei Prof van Dusen an, ich wollte mich verabschieden, aber da erlebte ich die zweite Überraschung an diesem denkwürdigen Tag. vanDusen: Alaska, eine exzellente Idee mein lieber Hatch und ein hochinteressantes Gebiet, wir werden es gemeinsam aufsuchen. Hatch: Was, sie wollen mich begleiten, Prof. vanDusen: Das denn nun wohl doch nicht, mein lieber Hatch, ich bin ProfDrDrDr Augustus van Dusen. Hatch: Genannt die Denkmaschine, der größte Wissenschaftler und Amateurkriminologe unserer Zeit. vanDusen: Wenn nicht aller Zeiten, und da der Meister nicht seinen Assistenten zu begleiten pflegt und der Held nicht seinen Chronisten. Hatch: Begleite ich sie, Prof, von mir aus, wissen sie, wer von uns beiden mit wem fährt, das spielt doch keine Rolle. vanDusen: Nun. Hatch: Ich muß, weil mein Chefredakteur ein Ekel ist, aber sie, Prof, was treibt sie ins wilde Alaska. vanDusen: Nun, für meine ein wenig angegriffene Gesundheit wird, davon bin ich überzeugt, ein nicht zu knapp bemessener Aufenthalt in der erfrischenden Atmosphäre jener nördlichen Gefilde sich als wohltuend, ja regenerierend erweisen, vor allem jedoch sehe ich mich der Wissenschaft halber genötigt für eine gewisse Zeit das Refugium geografischer Abgeschiedenheit aufzusuchen, es gilt ein neues, geradezu revolutionäres physikalisches Konzept, die atomare Strukturtheorie der Elemente betreffend präziser zu erfassen, in all seinen Verästelungen und Konsequenzen zu durchdenken, fernab von den Anforderungen des akademischen Lehrbetriebs, von den kleinlichen Störungen des Alltags, ja mein lieber Hatch, es ist entschieden, begeben sie sich stehenden Fußes ans Telefon, lassen sie sich mit dem Auskunftsbüro im Zentralbahnhof verbinden, erfragen sie die Abfahrtszeit des nächsten Zuges gen Westen. Hatch: Es wurde eine lange und mühselige Reise, erste Etappe eine Woche mit der Eisenbahn quer durch den Kontinent von New York bis nach Seattle an der Westküste, der Prof blieb die ganze Zeit im Abteil, um an seiner revolutionären Atomtheorie herum zugrübeln und ich hätte mich zu Tode gelangweilt, wenn mir im Salonwagen nicht zwei gleichgesinnte Seelen über den Weg gelaufen wären, zwei Herren namens Smith und Jones, die auch nach Alaska wollten, gemeinsam frönten wir fortan dem großen amerikanischen Nationalsport. Jones: Was fünf Dollar Einsatz, Gott wir spielen Poker und nicht Mensch ärgere dich nicht, 50 Dollar mindestens. Smith: Sagen wir 25, Mr Jones, wir wollen doch keinen Profit machen oder, sondern uns nur ein wenig die Zeit vertreiben. Hatch: Einverstanden 25 Dollar und der Höchsteinsatz. Jones: Quatsch Höchsteinsatz. Smith: Kein Limit Mr Knickerbocker, das ist unnötig unter Gentlemen. Hatch: Meinen Sie Mr Smith. Jones: Hören Sie auf zu zicken, Knickerbocker, fangen sie endlich an zu spielen. Hatch: Knickerbocker, das war ich und wie ich zu diesem ausgefallenen Namen gekommen bin, das muß ich wohl ein bißchen ausführlicher erklären, also es war noch in New York auf dem Bahnsteig kurz bevor unser Zug abfuhr. vanDusen: Fast hätte ich es vergessen, um Störungen und Belästigungen seien sie allgemeiner oder auch amateurkriminologischer Natur auszuschließen, werden wir unter Pseudonym reisen, inkognito wenn sie verstehen, was ich meine. Hatch: Klar verstehe ich, von jetzt ab sind sie nicht mehr Prof van Dusen, sondern sagen wir Mr Miller. vanDusen: Mein lieber Hatch, wo denken sie hin, ein Pseudonym von derart banaler Ubiquität für eine Persönlichkeit meines Ranges. Hatch: Na vielleicht van Miller. vanDusen: Seien Sie nicht albern, lediglich die klangvollsten, die erlauchtesten Namen Amerikas dürfen die Ehre haben, einem Prof van Dusen als zeitweiliges Pseudonym zu Diensten zu sein. Hatch: Na dann nennen sie sich doch gleich Präsident Washington. vanDusen: Nun warum nicht, allerdings Präsident erscheint mir dann doch ein klein wenig. Hatch: Übertrieben. vanDusen: Sagen wir unangemessen, die schlichte Benamsung Mr George Washington mag genügen, ja und welchen Namen wünschen sie zu wählen, als mein ständiger Begleiter sind ja auch sie der Öffentlichkeit nicht gänzlich unvertraut. Hatch: Ja wenn sie unbedingt George Washington sein wollen, kann ich mich kaum Johnson oder Miller nennen, wie wäre es denn mit Ripper. vanDusen: Bitte. Hatch: Jack Ripper, das hat doch was. vanDusen: Unterstehen sie sich. Hatch: Keinen Sinn für Humor, dann eben Knickerbocker und dabei bleibe ich, da können sie sagen was sie wollen. Hatch: In Seattle stiegen die Herren Washington und Knickerbocker um auf den Küstendampfer Oregon, der sie in einer Woche nach Alaska brachte, zur Station St. Michael an der Mündung des Yukon River, unterwegs die selbe Situation wie im Zug, der Prof unsichtbar in seiner Kabine, sein Begleiter in der Bar mit einem doppelten Whiskey, Pokerkarten nebst Mr Smith und Mr Jones, merkwürdige Burschen, die beiden, sie sahen sich ähnlich wie Zwillinge und hatten doch ganz verschiedene Charaktere, Smith war elegant, ein richtiger Dandy und Jones ein eher ruppiger Typ, aber Pokerspielen konnten sie beide, fast so gut wie ihr ergebener Diener Hutchinson Hatch. Smith: Wenn sie gestatten, geh ich mit. Hatch: So ich auch und noch 50 Dollar dazu. Jones: Nicht kleckern Knickerbocker, klotzen, ihre 50 Mäuse und 200 dazu, was sagen sie jetzt, das ist kein Fliegenschiß, so spielt der Könner. Hatch: In St. Michael wartete der Schaufelraddampfer Sara, auf dem müllerten wir uns 14 Tage lang den Yukon rauf, vorbei an kahlen menschenleeren Ufern, es wurde kühl, wir pokerten in Pelzmänteln weiter. Jones: Also dann Hosen runter. Smith: Bitte sehr, full house mit Assen, ich nehme nicht an daß einer der Herren ein besseres Blatt aufzuweisen hat. Jones: So und was ist das, na, vier neun, da können sie ihr mickriges Full House in den Yukon schmeißen, Smith, Vater ist der beste, her mit dem Pott. Hatch: Moment, Mr Jones, Moment hier sitzt ja noch einer, wollen sie nicht sehen was ich in der Hand habe. Jones: Wozu, was kann das schon sein. Matrose: Dawson, Dawson City voraus. Hatch: Nichts besonderes Mr Jones, nur ein simpler Straight Flush, Pik Ass, König Dame, Bube, 10. Hatch: Eine halbe Stunde später standen wir auf dem Pier und sahen uns um, Dawson City, die Metropole der Goldfelder hatte ich mir ganz anders vorgestellt, eine typische Goldgräbersiedlung hatte ich erwartet, eine Wildweststadt, Baracken und Holzschuppen, schlammige Wege, raue Männer mit Vollbärten und Revolvern, Schmutz, Unordnung, Gesetzlosigkeit. Skinflint: Sie kommen zu spät, meine Herren, das war einmal vor 2 3 Jahren, unser Städtchen hat sich gemausert, natürlich ist Dawson City nicht New York. Hatch: Weiß gott nicht. Skinflint: Nicht einmal Calgary oder Winnipeg, aber wir sind stolz darauf daß wir die wilde Gründerzeit hinter uns gebracht haben und nunmehr in einem soliden geordneten Gemeinwesen leben, Dawson City besitzt 30.000 Einwohner meine Herren, 5 Kirchen. Hatch: Hut ab. Skinflint: 2 Zeitungen, 3 Hotels. Hatch: Respekt, und welches würden sie uns empfehlen. Skinflint: Das Regina, meine Herren, das größte und beste Haus am Platze, sie sehen es da drüben rechts, das Hochhaus an der Frontstreet. Hatch: Hochhaus. Skinflint: 4 Stockwerke, mein Herr, 4 stattliche Stockwerke. Hatch: Kaum zu glauben. Skinflint: Ferner rühmt sich Dawson City, wie ihrer Aufmerksamkeit kaum entgangen sein dürfte, mehrerer gepflasterter Straßen, mit echten Steinen gepflastert, meine Herren. Hatch: Sagen Sie bloß noch sie haben schon Elektrizität. Skinflint: Soweit sind wir noch nicht, leider, aber am Stadtrand arbeitet ein kleines Gaswerk und die Gebäude im Zentrum, an der Wallstreet und an der Frontstreet sind mit modernster Gasbeleuchtung ausgestattet. Hatch: Sehr eindruckvoll, aber sagen sie mal, lieber Freund, kann man sich in ihrer Weltstadt auch ein bißchen amüsieren. Skinflint: Wenn Ihnen der Sinn nach alkoholischen Getränken, steht, mein Herr, nach Kartenspiel und Damenbekanntschaft, auch für derartigen Zeitvertreib ist bestens gesorgt, diverse gut geführte Saloons und Dance Halls erwarten sie, in erster Linie das weithin bekannte Montecarlo mit seinem internationalen Showprogramm, doch beachten sie, nur von Montag bis Sonnabend, Sonntags nie, wir sind in Kanada, hier herrscht britische Sabatruhe. Hatch: Und Gesetz und Ordnung, darauf würd ich wetten. Skinflint: So ist es mein Herr, so ist es, und daß es so ist dafür sorgt dieser Herr da der gerade die Straße überquert. Hatch: Meinen sie den in der roten Jacke mit dem gewaltigen Hut. Skinflint: Eben diesen, Mr Sam Steele Superintendant der North West Mounted Police oder Mounties wie wir kurz sagen, übrigens falls sie Wertsachen zu deponieren oder Nuggets in Banknoten zu wechseln wünschen, Dawson City verfügt auch über ein hochmodernes Geldinstitut mit dem sicherten Panzerschank nördlich von Vancouver, die Handelsbank von Kanada, welche ich ihnen wärmstens anempfehle, habe ich doch die Ehre, als ihr lokaler Manager zu fungieren, Skinflint ist mein Name, Jeremiah Skinflint, hier ist meine Karte, besuchen sie mich doch gelegentlich und meine Herren seien sie in Dawson City willkommen. Hatch: Wir stiegen im Regina ab, wo die Zimmer ganz passabel waren und die Preise astronomisch, der Prof verbuddelte sich gleich wieder in seine Forschungen und ich trieb mich in und um Dawson City herum, um Material für meine Reportage zu sammeln, ich besichtigte die Grabungen am Klondike River, interviewte ein paar Goldgräber, sah mir ihre Ausbeute an, machte mir Notizen, ich vertrieb mir die Zeit so gut es ging, fast jeden Abend außer Sonntags natürlich saß ich im Montecarlo, die Show konnte sich sehen lassen, die Girls waren so weit an- oder ausgezogen wie es sich mit der britischen Moral von Superintendent Steel vereinbaren ließ und der Star des Hauses, eine gewisse Miss Caprice, sang ein bißchen, warf die Beine, machte Kunststücke mit dem Lasso und sah hinreißend aus, leider war sie in festen Händen, in denen von Mr Skinflint, unserem geschwätzigen Freund von Pier, mit dem hatte ich mich in der Zwischenzeit etwas angefreundet, wir trafen uns ab und zu abends in der Handelsbank zu einem guten Schluck und zum Pokern, so verging der September. Smith: Wer fängt an. Jones: Immer wer fragt. Smith: Also ich, wenn ich sie um 3 Karten ersuchen dürfte, Mr Skinflint. Skinflint: 3 Karten für Mr Smith. Danke. Wieviel brauchen Sie, Mr Knickerbocker. Hatch: Danke, Skinflint, keine, wunschlos glücklich. Jones: Sie bluffen. Hatch: Wenn sie meinen, Jones. Jones: Diesmal fallen sie auf die Schnauze, das sag ich ihnen. Machen sie schon Skinflint. Bitte sehr. Und sie Superintendent. Steel: Die Staatsgewalt begnügt sich mit einer Karte. Hatch: Außerdem drückte sie ein Auge zu, die Staatsgewalt alias Sam Steele von den Mounties, es war nämlich Sonntag, Sonntag der 1. Oktober 1899, wir saßen im Schalterraum der Handelsbank um den großen Tresen, auf dem sonst Schecks ausgeschrieben, Geldscheine gezählt und vor allem Goldkörner abgewogen wurden, wir waren fünf, Skinflint der Hausherr, Steele, der sein Polizistengewissen damit beruhigte, daß wir unser sündiges Tun nicht in der Öffentlichkeit trieben, die unvermeidlichen Herren Smith und Jones und meine Wenigkeit, es war Winter geworden, den ganzen Nachmittag hatte es geschneit, der Schneefall ließ erst nach, als wir so gegen 6 mit unsern Spielchen anfingen. Skinflint: Haben alle gesetzt. Smith: Ja, bis auf Sie Mr Skinflint. Skinflint: Ach tatsächlich, das wird sofort nachgeholt, nanu wo ist denn meine Brieftasche. Steel: Vergessen. Skinflint: Ja sieht so aus, ja meine Herren, dieser kleine Lapsus läßt sich zum Glück schnellstens bereinigen, ein kurzer Gang zum Panzerschrank, ach dabei fällt mir ein, Mr Jones, Mr Smith, Mr Knickerbocker, ich glaube sie kennen dieses Meisterwerk hochmoderner Sicherheitstechnik nicht, kommen sie mit, sehen sichs an. Hatch: Gut aber die Karten mitnehmen. Hatch: Wir kamen alle mit, durch eine Tür hinter dem Tresen, die in ein kleines fensterloses Bad führte, und dann durch eine zweite Tür in ein Hinterzimmer, hier gab es nur zwei Einrichtungsstücke, ein Bett an der Wand unter dem Fenster und ein gewaltiger Panzerschrank mitten im Raum, Skinflint zündete die Gaslampe an und schloß mit einem kompliziert aussehenden Schlüssel den Schrank auf. Skinflint: Na meine Herren, ist das ein Anblick. Hatch: Herzerwärmend, Stapel über Stapel von Dollarnoten und diese vielen Ledersäckchen. Skinflint: Wir nennen sie Pockes, Mr Knickerbocker und jeder Pock enthält pures Gold, Staub, Nuggets, Körner, na da ist sie ja die Brieftasche. Smith: Was mag er wohl wert sein, der Inhalt ihres Panzerschranks, Mr Skinflint. Skinflint: Eine runde Million Mr Smith. Smith: So viel, und da können sie nachts ruhig schlafen. Skinflint: Wie ein Säugling Mr Smith und zwar in diesem Bett, eine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme, eigentlich überflüssig, sehen sie sich den Panzerschrank an, von Newton und Burger Pittsburgh, massive Stahlwände, hören sie, praktisch einbruchsicher, es gibt nur einen einzigen Schlüssel, und der befindet sich stets in meiner Hosentasche, Zugang ist nur möglich vom Schalterraum, und das Fenster ist wie sie bemerken durch ein starkes Gitter unpassierbar gemacht, kein Verbrecher kann eindringen, Geld und Gold von Dawson City ruhen im Tresor der Handelsbank so sicher wie in Abrahams Schoß. Jones: Hören sie auf zu quatschen Skinflint, machen sie das Ding wieder zu und kommen sie endlich, wir sind hier nicht zum Panzerschrank beglotzen sondern Pokerspielen. Hatch: Und das taten wir denn auch fast 5 Stunden lang, Skinflint gewann mit dem sprichwörtlichen Glück des Geldmenschen, Steel verlor ein bißchen, ich kam mit plus minus null raus und was die Herren Smith und Jones anging, die hatten anscheinend unglaublich schlechte Karten, jedenfalls passten sie meist schon am Anfang, so läpperte sich die Sache dahin, bis plötzlich was passierte, es war genau 5 Minuten vor 11, ich weiß das, weil ich mit dem Instinkt des geborenen kriminologischen Assistenten sofort auf die Uhr guckte. Smith: Was war das. Jones: Da ist was hochgegangen. Hatch: Hört sich an wie im Hinterzimmer. Skinflint: Um Gottes Willen, der Panzerschrank, das Geld. Steel: Superintendent Sam Steel von den Mounties übernimmt das Kommando, folgen sie mir meine Herren. Hatch: Das Hinterzimmer war voller Qualm und Gestank als wir die Tür aufrissen aber beides zog schnell ab durch den offenen Fensterrahmen, die Scheibe war zersprungen und rausgefallen, in der Wand des Panzerschranks klaffte ein großes unregelmäßiges Loch und der Inhalt. Skinflint: Verschwunden, nichts mehr da, kein Schein, kein Krümel Gold. Hatch: Sauber ausgeräumt. Steel: Merkwürdig, sehr merkwürdig, wann hat es aufgehört zu schneien. Hatch: So gegen 6. Steel: Der Schnee reicht fast bis ans Fensterbrett, keine Fußspuren, überhaupt keine Spuren und das Gitter, völlig intakt, höchst merkwürdig. Hatch: Durch die Tür kann auch keiner gekommen sein, schließlich sitzen wir seit 5 Stunden direkt davor. Steel: Äußerst merkwürdig, jemand dringt in diesen Raum ein, aber weder durch die Tür noch durchs Fenster, zündet eine Sprengladung, räumt in wenigen Sekunden den Panzerschrank restlos aus und verschwindet mit seiner gewichtigen Beute ebenso spurlos wie er gekommen ist. Skinflint: Unmöglich. Steel: Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund Skinflint, ein unmögliches Verbrechen, ein Rätsel, ein schlichter Mountie ist da überfordert, was wir brauchen ist ein Meisterdetektiv, jemand wie Mr Sherlock Holmes oder wie dieser berühmte amerikanische Professor. Hatch: ProfDrDrDrAugustus van Dusen, die Denkmaschine. Steel: Genau den, Mr Knickerbocker, aber der ist leider weit weg in New York. Hatch: Meinen Sie Superintendant. Hatch: So schnell es ging, wühlte ich mich durch den dicken Schnee zum Hotel Regina, van Dusen war noch wach, bekanntlich braucht er wenn überhaupt nur sehr wenig Schlaf und er war höchst ungnädig als ich ihm erzählte was sich gerade in der Handelsbank von Kanada abgespielt hatte. vanDusen: Mein lieber Mr Knickerbocker, sie sind an der falschen Adresse, sie sprechen nicht mit Prof van Dusen sondern mit Mr George Washington und Mr Washington ist kein wie beliebte ihr Freund Superintendant Steele sich auszudrücken kein Meisterdetektiv. Hatch: Amateurkriminologe. vanDusen: Auch kein Amateurkriminologe, Mr Washington wünscht ungestört seinen epochalen Forschungen nachzugehen. Hatch: Aber Prof, ein unmögliches Verbrechen. vanDusen: Lassen sie ab davon, mich mit kriminologischen Versuchungen vom geraden Pfad der Wissenschaft fortzulocken, entfernen sie sich, suchen Sie die Hotelbar auf. Hatch: Geschlossen. vanDusen: Dann gehen sie zu Bett, gute Nacht. Hatch: Am nächsten Morgen beim Frühstück sah die Sache schon ganz anders aus, unter uns, es hätte mich auch gewundert wenn der Prof standhaft geblieben wäre. vanDusen: Mein lieber Hatch, ich habe nachgedacht. Hatch: Moment Prof. vanDusen: Bitte. Hatch: So das Ei muß man nämlich mit Andacht essen, immerhin kostet es drei Dollar, worüber haben sie nachgedacht. vanDusen: Über den gestrigen Raub in der Handelsbank natürlich. Hatch: Ach und was haben sie gedacht. vanDusen: Folgendes, da sie mich mit solcher Verve, solcher Überzeugungskraft bedrängen. Hatch: Was sie nicht sagen. vanDusen: Habe ich mich entschlossen schweren Herzens wie ich betonen möchte, die Wissenschaft für eine kurze Zeit hinanzustellen und mich des Falles anzunehmen. Hatch: Wer hätte das gedacht. vanDusen: Ja also kommen sie schon. Hatch: Immer mit der Ruhe, lassen sie einen hungrigen Menschen doch erstmal zu Ende frühstücken. vanDusen: Nichts da, essen können sie später, kein Zaudern, kein Zagen, es ruft die Kriminologie, geleiten sie mich umgehend zum Ort des Geschehens. Hatch: Leichter gesagt als getan, der Schnee lag hoch und van Dusen ist bekanntlich von nicht eben stattlicher Statur, mir blieb nichts anderes übrig als den kleinen großen Mann huckepack zur Bank zu schleppen, Sam Steel nahm uns vor der Tür in Empfang. Steel: Morgen Knickerbocker, gut machen sie sich als Maulesel. Hatch: Hat sich ausgenickerbockert, Superintendant, denn hören und staunen sie, der vergeistige Herr auf meinen Schultern. Steel: Mr Washington. Hatch: Ist in Wahrheit kein anderer und kein geringer als Prof van Dusen. Steel: Der Prof van Dusen, die Denkmaschine. vanDusen: Ja wer denn sonst, Vorsicht, lassen sie mich endlich herunter, Hatch. Hatch: Und ich brauche nicht mehr als Knickerbocker durch die Gegend zu laufen, Hatch ist mein Name, Hutchinson Hatch, Journalist, Chronist, kriminologischer Assistent. vanDusen: Etc etc. Verlieren wir keine Zeit, wo befindet sich der Tatort, gehen sie voran, Superintendant. Hatch: Im Hinterzimmer hatte sich nichts verändert und auch der Prof war ganz der alte, sie wissen ja wie er sich bei seinen kriminologischen Untersuchungen benimmt, er wanderte durch den Raum scheinbar geistesabwesend, sah sich um, dachte nach. Hatch: Wo steckt denn Skinflint. Steel: Bei Miss Caprice nehm ich an, er will sich ein bißchen ablenken. Hatch: Und Smith und Jones. Steel: Ja Smith und Jones, da hat sich was neues ergeben, Mr Knicker Mr Hatch wollte ich sagen, gestern habe ich die beiden zum ersten Mal gesehen und da hatte ich gleich so ein Gefühl, der 6. Sinn des Polizisten, wissen sie, ich hab meine alten Steckbriefe durchgesehen und das hier gefunden. Hatch: Das sind sie, unerkennbar. Steel: Lesen sie was unter den Bildern steht Mr Hatch. Hatch: Chicago November 1897 gesucht werden wegen vielfachen Einbruchs-diebstahl (Spezialität: Safe, Tresore, Panzerschränke) Panzerschränke. Steel: Interessant, nicht wahr, lesen sie weiter. Hatch: Die Anführer der berüchtigten Panzerknackerbande, die Brüder Frank Clancy genannt Dandy. Steel: Mr Smith. Hatch: Und Elmar Clancy genannt Hooligan. Steel: Mr Jones. Hatch: Die haben also Skinflints Geldschrank geknackt. Steel: Ohne jeden Zweifel, Mr Hatch. Hatch: Augenblick mal, Superintendant das kann nicht stimmen, als es geknallt hat, haben wir alle 5 am Tresen gesessen und Poker gespielt, alle auch Smith und Jones. Steel: Richtig aber irgendwas müssen sie mit der Geschichte zu tun haben, jedenfalls hab ich ein paar meiner Leute in ihr Hotel geschickt, das Viktoria, eine Flohkiste am Stadtrand, um die beiden festnehmen zu lassen. vanDusen: Eine durchaus korrekte Entscheidung, Superintendant, die Brüder Clancy alias Smith und Jones haben in der Tat diesen Panzerschrank geknackt, so lautet ja wohl der polizeiliche terminus technicus. Hatch: Ja aber der Knall Prof. vanDusen: Die Explosion, mein lieber Hatch, war lediglich ein Akzidenz, eine im Prinzip überflüssige Zutat geeignet zur Verwirrung der Zeugen und vor allem zur Verschleierung des wahren Tathergangs beizutragen, richten sie gefälligst ihre Aufmerksamkeit auf die durch die Explosion herausgesprengten Trümmerstücke der Stahlwand, was sehen sie hier und hier und auch entschuldigen sie einen Moment, gehen sie mal zur Seite und auch hier an dieser Stelle. Hatch: Linien, Schnittlinien, sieht aus als ob man in den Stahl geschnitten hat. Skinflint: Und an den Linien ist der Stahl geschmolzen und später wieder hart geworden. vanDusen: Sehr richtig, meine Herren, diese Fakten sprechen eine deutliche Sprache, sie verraten uns, daß der Panzerschrank bereits vor der Sprengung geöffnet wurde, er wurde, Mr Hatch hat daraufhingewiesen, aufgeschnitten. Hatch: Womit Prof, mit einem Büchsenöffner. vanDusen: Mit einer extrem heißen Stichflamme, wie sie bei der Verbindung von reinem Sauerstoff mit Leuchtgas entsteht, Superintendant Steel dürfte diese neuartige Methode wie sie von unternehmenden und wenn sie mir den Ausdruck gestatten progressiven Mitgliedern der Verbrecherwelt angewandt wird nicht gänzlich unvertraut sein. Steel: Ich hab davon gehört Prof, aber dazu braucht man doch einiges, Sauerstofflaschen, einen sog Schneidbrenner, Zugang zu einer Gasleitung. vanDusen: Bitte sehr, kommen sie, hier, schauen sie, da oben der Arm einer Gaslampe, Schirm und Zylinder liegen zerstört am Boden. Steel: Durch die Sprengladung. vanDusen: Möglich, Superintendant, doch spricht nichts dagegen, daß sie bereits vorher entfernt abgelegt und durch einen Kautschukschlauch ersetzt wurden, welcher zum Schneidbrenner führte, was nun diesen selbst und die benötigten Sauerstoffbehälter angeht. Steel: Die hätten wir sehen müssen, als wir vor dem Spiel hier im Zimmer waren. vanDusen: Haben sie wirklich überall gründlich nachgesehen, Superintendant, zum Beispiel unter dem Bett. Steel: Unter Skinflints Bett, nein. vanDusen: Würden sie das freundlicherweise jetzt nachholen. Steel: Warum nicht. vanDusen: Nun Superintendant, was sehen sie. Steel: Nichts. vanDusen: Machen sie die Augen auf, sie sehen frische Kratzer im Holzfußboden, und in den Kratzern. Steel: Farbreste. vanDusen: Sehr gut Superintendant, und auch der leichte metallische Schimmer wird ihrer geschulten Aufmerksamkeit nicht entgangen sein, Fazit, hier, unter dem Bett waren die Utensilien verborgen, mit welchem die Öffnung des Panzerschranks bewerkstelligt wurde. Steel: Mag ja sein Prof, aber wie haben die Clancys das Ding gedreht. Hatch: Und wann, das muß doch Stunden gedauert haben. vanDusen: Angesichts der Stärke der Stahlwand ca eine und eine dreiviertel Stunde. Hatch: Nabitte und die beiden waren doch bei uns vorne im Schalterraum am Tresen. vanDusen: Sind sie ganz sicher, daß sie sich ständig in ihrer Gegenwart aufhielten, gestern Abend mein lieber Hatch haben sie mich informiert, daß beide ganz gegen ihre Gewohnheit des öfteren wie sagten sie doch paßten, frühzeitig das Spiel aufgaben, was taten sie dann, blieben sie sitzen, sahen sie ihnen zu. Skinflint: Nein, sie sind aufgestanden, herumgelaufen, haben sich die Beine vertreten, wir haben nicht darauf geachtet. Hatch: Wissen sie Prof beim Poker braucht man Konzentration. vanDusen: Wenn schon nicht Intelligenz, haben die Brüder Clancy womöglich mehrmals das Bad aufgesucht. Hatch: Jetzt wo sies erwähnen, ja, Smith hat sich dauernd die Hände gewaschen. Steel: Und der andere mußte alle Nase lang verschwinden, weil er was unrechtes gegessen hatte, sagte er. vanDusen: Und wenn sie die häufigen Abwesenheitszeiten der Brüder addieren, werden sie, davon bin ich überzeugt als Summe eine Spanne Zeit erhalten welche zur Öffnung des Geldschranks mittels eines Schneidbrenner mehr als hinreichend gewesen sein dürfte. Steel: Gut und schön Prof, aber wie haben die Safeknacker danach das Werkzeug aus diesem Raum geschafft. vanDusen: Auf demselben Weg Superintendant, auf dem sie sich auch ihrer Beute entledigten, hier bei jenem dem Fenster gegenüberliegenden vom ihm durch einen abschüssigen, etwa 20m breiten Hof getrennten Gebäude handelt es sich um. Steel: Das Montecarlo, die Rückseite natürlich. vanDusen: Aha, merken sie auf, meine Herren, bereits vor der Explosion war das Fenster, wie aus der Stellung des Riegels hier zu ersehen ist geöffnet, ferner erkennen wir an der Kante des Fensterbretts die Spur eines kürzlich stattgehabten Abriebs und hier vor dem Panzerschrank liegt ein kleines Ende Seil, angekohlt, diese eindeutigen Hinweise, meine Herren. Walker: Chef, das ist ein Ding Chef. Steel: Walker, was fällt ihn ein, nehmen sie gefälligst Haltung an, so und jetzt erstatten sie Bericht, haben sie die Kerle erwischt, diese Gebrüder Clancy. Walker: Jawohl Chef. Steel: Wo sind sie, bringen sie sie rein, Mann. Walker: Das geht nicht so einfach, Chef, wir haben sie erstmal an der Tür abgelegt. Steel: Abgelegt. Walker: Jawohl Chef, sie sind nämlich tot Chef. Hatch: Wovon wir uns gleich selbst überzeugen konnten, die Brüder Clancy lagen vor der Bank auf dem Gehweg, starr und steif und erstaunlicherweise ohne ihre Pelzmäntel. Walker: So haben wir sie gefunden Chef, hinter dem Hotel Viktoria, zwischen zwei Schuppen. Skinflint: Offensichtlich erfroren, haben sie ihre Zimmer durchsucht, Walker. Walker: Jawohl Chef. Steel: Und was gefunden, Geld, Gold, Einbruchswerkzeug. Walker: Nichts Chef. vanDusen: Die beiden wurden ermordet. Steel: Was sagen sie da Prof. vanDusen: Ein durchdringender Geruch nach Alkohol, Hämatome an den Hinterköpfen, unzureichende und was noch aufschlußreicher ist, stark zerknitterte Kleidung, ein zumindest für Frank Clancy zubenamt Dandy höchst untypisches Merkmal, kein Zweifel, Superintendant, man hat Frank und Elmar Clancy betrunken gemacht, niedergeschlagen, mit Wasser übergossen und ins Freie geschafft, wo sie alsbald erfroren, man wollte sich ihrer entledigen als Mitwisser und Teilhaber an der Beute. Steel: Man, wer ist man. vanDusen: Der Auftraggeber natürlich. Steel: Auftraggeber. vanDusen: Vier Personen waren an der Tat beteiligt, Superintendant, die Brüder Clancy, ein weiterer Komplize und der Auftraggeber, der Kopf, der Drahtzieher des Verbrechens. Steel: Woher wollen sie das wissen Prof. Hatch: Der Prof weiß alles, Superintendant, und wie ich ihn kenne, ist der ganze Fall für ihn schon so klar wie Kloßbrühe. vanDusen: Auch wenn wie so häufig die Wahl ihrer Worte nicht meine volle Zustimmung finden kann, in der Sache haben sie durchaus recht, folgen sie mir, meine Herren, am Tatort soll ihnen volle Aufklärung über Ablauf und Hintergrund des Verbrechens zu teil werden. Hatch: Das Publikum, Steel, Walker und ich nahm auf dem Bett platz, der Prof stellte sich zwischen Fenster und Panzerschrank in Positur und wollte gerade loslegen, als die Tür aufging und Mr Skinflint erschien, er wollte wissen, was sich inzwischen getan hatte und war nicht schlecht erstaunt als er hörte, wer die Herren Knickerbocker und Washington in Wirklichkeit waren. Skinflint: Die Denkmaschine. Steel: So ist es Skinflint und sie können sich freuen, der Prof hat den Fall schon aufgeklärt, restlos. Skinflint: Was, unmöglich. vanDusen: Setzen sie sich zu den übrigen, Skinflint und verhalten sie sich ruhig, ich beginne, zwei plus zwei meine Herren gibt vier. Hatch: Immer und überall. vanDusen: Ja danke. Hatch: Bitte. vanDusen: In diesem Sinne lassen sie uns nunmehr zur Rekonstruktion des am gestrigen Abend in diesem Raum stattgefundenen Verbrechens schreiten. Hatch: Der Prof beschrieb, wie die Herren Smith und Jones alias Frank und Elmar Clancy in ihren Spielpausen während sie sich angeblich im Bad aufhielten, den Panzerschrank geknackt und ausgeräumt hatten. vanDusen: Danach warf ihnen der bereits erwähnte Komplize aus dem gegenüber-liegenden Haus ein Seil zu, welches sie, siehe Abriebspur auf dem Fensterbrett am unteren Teil des Fenstergitters befestigten, über dieses schräg nach unten führende Seil ließen sie sodann vermutlich mittels Haken und Rollen den Inhalt des Schrankes, Banknoten, Bündel und Beutel voller Gold dem Komplizen zukommen, der Beute folgten die bei ihrem verbrecherischen Tun benutzten Hilfsmittel, schließlich brachten sie über der aufgeschnittenen Stahlwand die ebenfalls unter dem Bett verborgen gehaltene Sprengladung an und befestigten an ihrem Zünder das vom Gitter gelöste Ende des Seils, nachdem eine gewisse Zeit verstrichen war, die Brüder Clancy hatten ihre Plätze am Spieltisch längst wieder eingenommen, bewegte der Komplize das Seil, und löste so die Explosion aus, nach welcher er das Seil eilens einzog, sie meine Herren stürzten in diesen Raum und standen vor einem unerklärlichen Verbrechen, unerklärlich für sie, jedoch nicht für Prof DrDrDrAugustus van Dusen, auf diese Weise hat sich die Tat abgespielt, meine Herren genauso wie sie vom Auftraggeber der Brüder Clancy geplant und minutiös vorbereitet war. Steel: Schon wieder dieser mysteriöse Auftraggeber, wer soll denn das sein. vanDusen: Denken sie nach, Superintendant. Hatch: Zählen sie zwei und zwei zusammen. vanDusen: Hatch bitte, wer muß gewußt haben, daß und wo die beim Verbrechen verwendeten Utensilien versteckt waren, wer hat die Brüder Clancy gerade an diesem Abend in die Bank eingeladen und vor allem wer hat in so auffälliger Weise Wert darauf gelegt zu Beginn des Abends ihnen Superintendant und natürlich auch ihnen mein lieber Hatch den gefüllten Panzerschrank ad oculos zu demonstrieren. Steel: Skinflint. vanDusen: Mr Jeremiah Skinflint, Manager der Handelsbank von Kanada, wollte sich nicht mehr damit zufrieden geben, die ihm anvertrauten Werte lediglich zu verwalten, er beschloß sie sich anzueignen und zwar auf eine höchst raffinierte Art, welche ihn so glaubte er von jedem Verdacht freistellen würde, aus den Vereinigten Staaten ließ er zwei Spezialisten, sogenannte Safeknacker, nach Dawson kommen. Skinflint: Hören sie auf Prof, was sie da zusammenreden, sind doch nur Mutmaßungen, reine Spekulationen. Steel: Das wird sich zeigen, Skinflint, sie sind festgenommen. vanDusen: Und falls sie eines weiteren Beweises bedürfen, Superintendant, so wird ihnen dieser geliefert durch die Identität von Skinflints Komplizen, es handelt sich um. Caprice: Hände hoch, meine Herren, du doch nicht Jeremiah. vanDusen: Mrs Caprice, Star des Montecarlo, wo sie eine geräumige Garderobe ihr eigen nennt, im hinteren Teil des Gebäudes, Lassowerferin. Caprice: Und Kunstschützin, also keine Dummheiten, meine Herren, nimm Steele und Walker die Waffen ab, Jeremiah, war doch gut, daß ich nicht gleich reingekommen bin, sondern vorher ein bißchen an der Tür gehorcht habe. Steel: Sie sind der Komplize, Miss Caprice. Caprice: Hören sie mal Steele, ich trag doch keinen Schnurrbart, Komplizin, wenn ich bitten darf. Skinflint: Wo ist der Schlitten. Caprice: Vor der Tür Jeremiah, ich hab alles besorgt, Decken, Proviant. Skinflint: Und der Reibach. Caprice: Sicher verstaut. Skinflint: Gut, also dann, meine Herren. vanDusen: Hören sie. Skinflint: Ärgern sie sich nicht, Prof, einen Täter überführen und ihn erwischen, das sind zwei ganz verschiedene paar Stiefel. Caprice: Küsschen ihr lieben. Hatch: Wir waren eingesperrt. Wir waren eingesperrt, aber nicht lange, unsere beiden wackeren Mounties warfen sich mit solchem Pflichteifer gegen die Tür, daß sie bald nur noch aus Splittern bestand, trotzdem waren sie nicht schnell genug, als wir vor die Haustür stürzten, sahen wir den Hundeschlitten der Flüchtlinge gerade am Ende der Straße verschwinden. Steel: Was jetzt. vanDusen: Na hinterher natürlich. Steel: Das ist nicht so einfach Prof, Skinflint hat das beste Huskygespann in ganz Dawson. vanDusen: Na wenn schon. Steel: OK versuchen wir es, laufen sie voraus zur Station, Walker, lassen sie anspannen. Walker: Jawohl Chef. Steel: Auch das noch. Walker so ein Trottel. vanDusen: Bitte stehen sie auf Walker, beeilen sie sich, kommen sie ich helfe ihnen, stellen sie sich nicht so an, laufen sie zur Station, spannen sie die Hunde an. Hatch: Im Hundeschlitten der Mounties, 8 kläffende Köter und ein Leithund folgten wir Skinflints Spuren, stundenlang jagten wir durch verschneite Wildnis in Richtung Süden, bis die Spur plötzlich nach Westen abknickte. Steel: Das hab ich mir gedacht, unser Freund Skinflint ist kein Schischako. Hatch: Was. Steel: Greenhorn sagen sie in den Staaten, er will an die Küste nach Skagway und von da mit dem Schiff nach Seattle oder San Francisco, aber weil er natürlich weiß, daß es eine Telefonverbindung zwischen Dawson und unserem Grenzposten auf den White Pants gibt, versucht er es sozusagen durch die Hintertür, über den Malaspinagletscher, sehr riskant, aber er könnte es schaffen, los. Hatch: Weiter jacherten unsere Huskies durch Eis und Schnee, bis sie Stunden später sich und uns mit letzter Kraft in ein kleines Goldgräbercamp schleppten. Steel: Superintendant Steel, im Namen des Gesetzes, wir brauchen frische Hunde. Goldgräber: Ich auch, Superintendant, ich auch. Steel: Was soll das heißen. Goldgräber: Vor einer halben Stunde waren zwei Fremde hier, Mann und Frau, haben sich meine besten Hunde ausgesucht und vor ihren Schlitten gespannt. Steel: Na und, sie werden wohl ein übrig gelassen haben. Goldgräber: Wie mans nimmt, Superintendant, meine anderen Hunde und die alten die liegen hier hinterm Blockhaus, sie haben sie erschossen. Steel: Ja meine Herren, da kann man nichts machen, wir sind geschlagen. vanDusen: Werfen sie die Flinte immer so schnell ins Korn, Superintendant, guter Mann, wie ich höre, arbeitet bei ihnen eine Motorpumpe. Goldgräber: Ja hab ich mir aus den Staaten kommen lassen sauteuer, aber es lohnt sich. vanDusen: Wären sie unter Umständen bereit, sie uns für eine gewisse Zeit auszuleihen gegen eine großzügige finanzielle Entschädigung versteht sich. Hatch: Drei Stunden vergingen, dann setzte sich ein nie gesehenes Monstrum knatternd und qualmend in Bewegung und fegte über das bläuliche Eis des Malaspinagletschers, der Prof hatte den Pumpenmotor in unseren Schlitten gebaut, eine Kraftübertragung konstruiert und so ganz nebenbei den ersten funktionsfähigen Motorschlitten der Welt erfunden, Motorkraft ist stärker als Huskypower, bald sahen wir Skinflints Schlitten vor uns, zuerst nur als kleinen schwarzen Punkt, dann wurde er größer, immer größer, der Gletscher lief aus, vor uns lag eine Goldgräbersiedlung, wir fuhren fast gleichzeitig ein und hielten nebeneinander, Superintendant Steel sprang aus dem Schlitten. Steel: Jeremiah Skinflint, Miss Caprice, ich verhafte sie im Namen der Königin. Goldgräber: Langsam Freund, langsam, ihre Königin hat hier gar nichts zu sagen, sie auch nicht, sehen sie mal nach oben, die Fahne, das gute alte Sternenbanner. Skinflint: Hipphipphurra, wir sind auf amerikanischem Boden, tut mir leid, meine Herren, wo sie sich so große Mühe gegeben haben, aber so ist das Leben. Caprice: Angenehme Heimreise. Goldgräber: Und zwar möglichst bald, sonst helfen wir nach. Hatch: Augenblick Landsleute, ich bin amerikanischer Bürger und ich habe euch was zu sagen, dieser Typ der so unverschämt grinst, ist der Bankier Skinflint aus Dawson City und auf seinem Schlitten hat er eine runde Million in Gold und Scheinen, das hat er alles euren Kollegen in Dawson geklaut zusammen mit seiner Freundin. Goldgräber: Stimmt das. Steel: Jedes Wort. Goldgräber: Dann sieht die Sache anders aus, wir sind hier nämlich sehr für Recht und Ordnung, he Kumpels, kommt mal her, hier ist eine Kleinigkeit zu erledigen. Hatch: Es ging alles sehr schnell, eine halbe Stunde später hing Sklinflint am Fahnenmast. vanDusen: Ein recht summarisches Verfahren. Goldgräber: Das Gesetz der Grenze, Freund. Hatch: Und Mrs Caprice, wollt ihr die etwa auch aufhängen. Goldgräber: Aber woher Freund, wir sind Kavaliere, die Lady bleibt hier, lebenslänglich und macht sich nützlich, kochen, waschen und was noch so anfällt. Caprice: Gotteswillen nur das nicht, lieber zurück nach Dawson, lieber ins Gefängnis, bitte meine Herren, helfen sie mir. Hatch: Können wir das zulassen, Prof. vanDusen: Wohl kaum, mein lieber Hatch, hören sie, Freund. Hatch: Als wir im Motorschlitten nach Dawson City zurückfuhren, waren wir zu viert, van Dusen, ich, Superintendant Steel und Miss Caprice, der Prof hatte es geschafft, aber zu welchem Preis. Steel: Eine Million, kein Mensch ist 1 Million Dollar wert. vanDusen: Oh sagen sie das nicht. Steel: Schon gar nicht dieses Tingeltangelflittchen. Caprice: Sie sind aber nicht sehr galant. Steel: Außerdem Prof, sie hatten gar nicht das Recht über Skinflints Beute zu verfügen. vanDusen: Verehrter Superintendent, ich habe nicht wie sie zu implizieren scheinen Miss Caprice für 1 Mio Dollar eingehandelt, ich habe lediglich zugestanden, daß die Beute bis zur endgültigen juristischen Klärung in der treuhänderischen Obhut der Herren Goldgräber verbleibt. Steel: Glauben sie denn im Ernst, daß wir davon noch was wiedersehen, keinen Dollarschein, Prof, kein einziges Körnchen Gold. vanDusen: Vorsicht da ist eine Eisspalte, halten sie sich fest. Hatch: Damit sollte er rechtbehalten, der gute Superintendant, als im Sommer eine kanadisch-amerikanische Kommission das Goldgräberlager aufsuchte, fand sie es leer vor, die Insassen waren verschwunden und mit ihnen Skinflints Millionen, soweit ich weiß, streiten Kanada und die USA sich noch heute um den Inhalt des Panzerschranks, wie sagte doch Skinflint, so ist das Leben. Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte Hutchinson Hatch: Klaus Herm Jeremiah Skinflint, Bankier: Helmut Ahner Sam Steel von den Mounties: Helmut Krauss Mr. Smith alias Frank Clancy: Wolfgang Condrus Mr. Jones alias Elmer Clancy: Erwin Schastok Miss Caprice, Künstlerin: Kerstin Sanders-Dornseif Chefredakteur des Daily New Yorker: Eric Vaessen Walker, ein Mountie: Hubertus Bengsch 1. Goldgräber: Till Hagen 2. Goldgräber: Norbert Schwarz Matrose: Norbert Schwarz
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