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Michael Koser: Prof. van Dusen fällt unter die Räuber (RIAS 1989) Hatch: Montenegro meine Damen und Herren ist nicht das kleinste Land der Welt, es gibt noch kleinere, Liechtenstein zum Beispiel oder Monaco oder Andorra, aber wenn Montenegro auch nicht groß ist, hat es doch einiges zu bieten, ein weltbekanntes Insektenpulver, eine Haupt- und Residenzstadt mit sage und schreibe 3000 Einwohnern, viele Ziegen, ein paar Bären und Räuber, speziell von denen kann ich Ihnen ein Lied singen, meine Damen und Herren, und damit fange ich jetzt an. Es war am 16. August des Jahres 1904 an einem heißen Sommermorgen, eine große schwarze Kutsche quälte sich die Serpentinen über der dalmatinischen Stadt Katoro hoch, hinten hing ein Schild, Thomas Cook und Söhne, Tagesausflug in die wildromantische Bergwelt Montenegros, vorn auf dem Bock hockten Kutscher und Führer und innen stöhnte eine achtköpfige Reisegesellschaft. Bernhardine: O Baltasar, es ist so heiß. Bullrich: Wünschest du ein Taschentuch, teuerste, sudarium sudarii neutrum, meine Gattin ist blutarm. Mayfair: Also wissen sie Dr. Bullrich, man braucht nicht blutarm zu sein, um bei dieser Hitze umzukommen, sehen sie mich an, ich hab eher zu viel Blut, was Franco. Franco: Sisi Carissima. Mayfair: Und ich schwitze wie verzeihen sie wie ein Schwein. Bullrich: Sus Sus femininum. Bernhardine: Und wie es hier riecht, Baltasar. Hatch: Ihr Musterkoffer, Grenouille. Grenouille: Missiö Hatch süwosapli, die edelsten Duftkompositionen aus Paris. Tafelspitz: Nix da, von draußen stinkts eini, na was wollens, Montenegro, tschuschen, schauens doch aus dem Fenster, trostlos, Berge, nix wie Berge, kei Fabrik, kei Kaserne, kei Kultur, die schiere Wildnis, na wird halt zeit daß wir Österreicher auch hier a bißerl a Fortschritt bringen netwahr Herr Prof. vanDusen: Bitte Herr von Tafelspitz, als amerikanischer Bürger fühle ich mich nicht berufen, zur nicht unumstrittenen Balkanpolitik ihrer Regierung Stellung zu beziehen. Hatch: Immer weiter, immer höher, immer tiefer ins Gebirge, es war 12 Uhr mittags als wir endlich hielten, auf einer Felsplatte hoch über Schluchten und Abgründen, wir stiegen aus und unser Führer, ein munterer kleiner Grieche namens Dimitri erklärte uns die Landschaft. Dimitri: Bitte sich umzuwenden hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, bitte zu beachten am Horizont tiefblauen Schimmer. Oh. Adriatisches Meer, hochgeehrte Damen, hochgeschätzte Damen und daran anliegend wunderschönes Land Dalmatien. Tafelspitz: Gehört uns. Dimitri: Bitte nun Blick zu werfen auf rechte Seite, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, in ferne sie sehen Bosnien und Herzegowina. Tafelspitz: Gehört auch uns. Dimitri: Ein wenig weiterdrehen, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, und was liegt vor ihren herrschaftlichen Füßen, gewaltige schwarze Berge in serbische Sprache genannt Tschernagora auf italienisch Montenegro. Mayfair: Das gehört ihnen nicht, Herr von Tafelspitz. Tafelspitz: Noch nicht gnä Frau Christian, noch nicht. Dimitri: Nun hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, stehen sprachlos vor wunderbar schöner Landschaft, schöner als Maler kann malen, als photografischer Künstler kann fotografieren. Bernhardine: Oh Baltasar wie wonnig. Bullrich: Amönus amöna amönum. Hatch: Der englische Schriftsteller Dr. Johnson hat mal gesagt ohne ein gemütliches Gasthaus im Vordergrund ist die schönste Landschaft keinen Pfifferling wert. Bullrich: Banause, Philister, Homo obtusus. Bernhardine: Ha, Baltasar. Bullrich: Was ficht dich an, geliebtes Weib. Bernhardine: Da Baltasar, da steckt einer, hinter dem Felsen. Ja. Dimitri: Bitte sich nicht unberuhigen, hochgeehrte Herren, hochgeschätzte Damen, bitte zu besichtigen Bergbewohner, Montenegriener, Tschernagorze, typisches Exemplar, romantisch wie Landschaft, malerisch in Pluderbeinkleid, goldbestickte Weste sowie Kappe, bitte ferner zu beachten hierzulande üblichen Schmuck der Waffen. Hatch: Zwei Revolver, Säbel, Dolch, Patronengürtel, bißchen viel für einen einzelnen Herrn. Mayfair: Sie haben aber auch immer was auszusetzen, Mr Hatch, ist doch sehr männlich so eine Aufmachung. Bernhardine: Baltasar hier ist noch einer. Franco: Ecco hier auch. Bullrich: Und vor uns. Mayfair: Und hinter uns. Hatch: Und um uns herum. Franco: Sie kommen näher. Bullrich: Sollten wir nicht besser aufbrechen, meine Gattin ist nämlich blutarm. Mayfair: Ach was machen sie sich nicht in die Hosen, Bullrich, das hat sich Firma Cook für uns ausgedacht, als Überraschung, was soll das werden, Dimitri, Volkstanz, lebende Bilder, Fruchtbarkeitsriten. Gojko: Das ist Überfall, verhalten sie sich ruhig, folgen sie unsere Anordnungen, leisten sie keine Widerstand. Tafelspitz: Jessasna. Hatch: Die sehen mir nicht aus wie Angestellte der Firma Cook und wie biedere Bergbauern auch nicht. vanDusen: Wohl kaum, ohne Zweifel handelt es sich bei diesen martialischen Herrschaften um wie der Dalmatiner sich ausdrückt, Molaken oder auch Uskopen, in Griechenland heißen sie Kleften, in der Ukraine Heidermarken, Dakeutz in Indien, Rugaruga in Ostafrika, hierzulande pflegt man sie sofern ich nicht irre Rasbonditschi oder auch Heiduken zu nennen. Hatch: Ach ja und was würde ein sprachlich nicht so gebildeter Zeitgenosse sagen, einer wie ich zum Beispiel. vanDusen: Nun Wegelagerer vermutlich Banditen, Räuber. Bullrich: Latro latronus maskulin. Gojko: So ist es ihr Herren, Räuber sind wir, ehrsame Räuber die im Schweiße ihres Angesichts ihrer Arbeit nachgehen, in aller Bescheidenheit. Bernhardine: O gott Baltasar Räuber wie fürchterlich. Tafelspitz: Na typisch Räuber auf offener Straße, a Wirtschaft ist das hier. Mayfair: Was für ein Abenteuer, leibhaftige Räuber, bitte meine Herren, bedienen sie sich, meine Börse, meine Ringe, mein Strumpfband. Gojko: Später, sie kommen alle mit. Grenouille: Wohin missiö. Gojko: In die Berge. Bullrich: Zu Fuß. Gojko: Selbstverständlich zu fuß, auf herrschaftliche Kutschen sind unsere bescheidenen Pfade nicht eingerichtet. Bullrich: Aber meine Gattin ist blutarm. Und der Kutscher. Gojko: Den brauchen wir nicht. Ah. Los, ein bißchen munterer, wenn ich bitten darf, wir haben einen langen Weg vor uns. Hatch: Lang und heiß und mühsam, rauf und runter, durch Felsen und Geröll über einen halsbrecherischen Klettersteig, auf dem sogar einer montenegrinischen Bergziege schlecht geworden wäre, trotzdem kamen wir zügig voran, auch die blutarme Frau Bullrich, dafür sorgte ab und zu ein Stoß mit dem Gewehrkolben, nach stunden, die Sonne fing schon an hinter die hohen Gipfel im Westen zu rutschen, erreichten wir unser Ziel, ein Mauerviereck, prekär an eine steile Bergwand geklebt, wir wurden über eine Zugbrücke getrieben, die man hinter uns hochzog und blieben im Innenhof stehen vor einem holzgeschnitzten Stuhl auf dem hochgewachsener Greis saß mit einem gewaltigen Walroßschnauzbart, er musterte uns scharf und hob die Hand. Drako: Hochverehrte Gäste, seien sie gegrüßt ich freue mich daß so zahlreich der Einladung gefolgt sind, die mein Sohn Gojko an der Spitze unserer Männer ihnen überbracht hat und heiße sie willkommen auf Burg Urosch, dem Stammsitz der ruhmreichen Sippe Wassojewitsch, ich bin das Oberhaupt, der Poglawica, Drako Wassojewitsch und mit wem habe ich die Ehre, sie dort mein Sohn, treten sie vor, nennen sie mir ihren Namen. Grenouille: Jean-Baptiste Grenouille. Drako: Schante, aus Paris. Grenouille: Mewie missiö. Drako: Ah Paris die Hauptstadt der Welt, was ist ihre Profession, Mr Grenouille. Grenouille: Ich bin Geschäftsreisender Missiö für unsere großen Parfümerien, hier mein Musterkoffer, gestatten sie daß ihnen bzw den reizenden Damen ihres Hauses ein paar Proben. Drako: Eines nach dem anderen Monsieur Grenouille, haben sie Geld. Grenouille: Ein paar Franc Missiö. Drako: Aha und zu hause Mr Grenouille ein Sparstrumpf, ein Konto, Rentencoupons. Grenouille: Nichts von alledem Missiö leider. Drako: Leider, sie sagen es, Monsier Grenouille, kümmere dich um ihn Gojko. Gojko: Ja Vater. Grenouille: Ah. Mayfair: Hören sie mal was fällt ihnen ein, der arme Mr Grenouille, wo sind wir hier eigentlich. Drako: In Montenegro, Weib, und in Montenegro haben Frauen im Rat zu schweigen. Mayfair: Was gehen mich ihre hinterwäldlerischen Sitten an, ich bin Engländerin, Rhoda Mayfair, weltberühmte Schriftstellerin, Verfasserin von Liebe in Fesseln, eine Insel für zwei, Lebwohl auf ewig, Flammen der Leidenschaft, usw usw Millionenauflagen, Übersetzung in alle besseren Sprachen, sie haben bestimmt schon was von mir gelesen das heißt falls sie lesen können natürlich. Drako: Das Buch des Montenegrieners ist sein Revolver, sind sie reich Mrs Mayfair. Mayfair: Miss Mayfair bitte, lassen sie ihre Flinte unten, Gojko oder wie sie heißen, ich hab genug, ich kann zahlen. Franco: Und ich Carissima. Mayfair: Für dich zahl ich auch Franco, das bin ich doch gewohnt, stell dich vor. Franco: Si carissima, Franco Peroni, Italiano. Mayfair: Mein Sekretär und wie ich immer sage Knabe für alles. Drako: In Ordnung, jetzt sie, ja sie meine ich mit dem Kneifer. Bullrich: Statum exemplum, domine referendissime, Bullrich, Baltasar Bullrich, Dr. der Philosophie, aus Hannover im deutschen Reich, Oberstudienrat, klassische Sprachen, mein Gattin Bernhardine, sie ist blutarm. Drako: Oberstudienrat eine Person von Gewicht wie es scheint, auch von Vermögen. Bullrich: Nun domine referendissime einerseits. Drako: Gojko. Bullrich: Andererseits ein wenig Geldes ist vorhanden, pecunia, pecunium femininum oder auch argentum argenti neutrum. Drako: Gut mein Sohn, der nächste. Dimitri: Ich nur Reiseführer großmächtiger gospodar, bescheidener Name Dimitri. Tafelspitz: Gusch, las uns gütigst besseren Leuten den Vortritt, alsdann Nepomuk Edler von Tafelspitz, habe die Ehre, Offiziar im kaiserlichköniglichen Finanz-ministerium in Wien, leidlich vermögend. Drako: Sieh da, im Gegensatz zu unseren Fürsten schätzen wir Wassojewitsch die Österreicher, und die letzten beiden Herren. vanDusen: Prof van Dusen. Hatch: Hutchinson Hatch, Journalist beim Daily Newyorker, Amerikaner wie der Prof. Drako: So ein Gelehrter und ein Zeitungsschreiber, wahrlich keine fette Beute, sie gehören dir Gojko. Hatch: Moment mal alter Knabe sie haben keine Ahnung wer vor ihnen steht, Prof DrDrDrAugustus van Dusen in aller Welt voll Ehrfurcht die Denkmaschine tituliert ist der bedeutendste Wissenschaftler, Erfinder und nebenbei Amateurkriminologe den die Erde je gesehen hat, seine zahllosen Patente haben ihn zum Krösus gemacht. vanDusen: Mein lieber Hatch, sie übertreiben wieder mal. Hatch: Klappern gehört zum Handwerk, ich selbst Hutchinson Jefferson Hatch nenne einen Herrn Vater mein eigen welcher mehr Dollars besitzt denn Dagobert Duck. Drako: Wer soll sein Dagobert Duck. Hatch: Von Rockefeller ganz zu schweigen, und was sie betrifft alter Knabe sie können uns überhaupt nicht imponieren, Räuberhauptmann in Montenegro was ist das schon, da kennen wir ganz andere, der Prof und ich, Präsident Theddy Roosevelt, König Edward von England, Kaiser Willhelm. Drako: Schweigen sie, nun denn, als Lösegeld setze ich pro Person die Summe von 1000 Mariatheresiataler fest. vanDusen: Rund 1060 Dollar. Drako: Auch Mrs Mayfair und Frau Bullrich haben den vollen Betrag zu entrichten. Bullrich: Aber meine Gattin ist blutarm. Drako: Da in ihren Heimatländern die ausgefallene Ansicht vorzuherrschen scheint, eine Frau sei ebenso viel wert wie ein Mann, ich werde einen Boten nach Kataro entsenden, auf daß er sich bei ihren Konsulaten um das Geld bemühe, in drei Tagen am 19. August wird er sich wieder auf Burg Urschusch einstellen, wenn nicht übernimmt Gojko das weitere. Hatch: Alles klar alter Knabe und wenn er mit den Talern pünktlich anmarschiert. Drako: Werden sie alle entlassen, mit dank und unsern besten Wünschen. Hatch: Wirklich, wer garantiert uns das. Drako: Wir sind Ehrenmänner, mein Herr, ich gebe ihnen mein Wort. Hatch: Na da bin ich aber beruhigt. Drako: Seien sie in der Zwischenzeit unsere Gäste, sie dürfen sich innerhalb der Burg frei bewegen. Hatch: Kunststück bei hochgeleierter Zugbrücke. Drako: Sie können tun was immer sie wollen, mit zwei Ausnahmen, mein Vorkoster ist gestern ein Opfer eines Berufes geworden, ein Hammelknochen in der Luftröhre, ihr für mich ansonsten wertloser Führer wird seine Stelle einnehmen und meine Speisen kosten, bevor ich sie selbst zu mir nehme, eine hierzulande unumgängliche Vorsichtsmaßnahme. Hatch: Pech für Dimitri, und die zweite Ausnahme. Drako: Sie, Mr Hatch sind ein sympathischer Mensch, zurückhaltend, bescheiden, gerade sie darauf lege ich wert, sollen sich bei uns wie zu hause fühlen deshalb werden sie Gelegenheit erhalten, sich nützlich zu machen, in der Küche aushelfen, servieren, was so anfällt. Hatch: Ok wenn sie mir den Lohn vom Lösegeld abziehen. Drako: Genug, Gojko. Gojko: Ja Vater. Drako: Führe unsere Gäste in ihre Quartiere. Hatch: Die Quartiere bestanden aus ein paar kahlen Löchern möbliert mit antiken Strohsäcken, an denen alles vermodert war, nur nicht die lieben Tierchen die putzmunter darin herumhüpften und krabbelten, waschen konnten wir uns an der sparsamen Pumpe im Hof und was die übrigen sanitären Einrichtungen betrifft die übergehe ich wohl besser mit schweigen, kein wunder daß wir sog. Gäste uns am nächsten morgen kaum von den Gastgebern unterschieden, nur Tafelspitz, der edle Wiener war sauber, glatt wie aus dem Ei gepellt, naja Adel verpflichtet, die Räuber schlichen trübe durch die Gegend, sie hatten nachts den Musterkoffer des seligen Mr Grenouille ausgetrunken und das war ihnen nicht gut bekommen, auch van Dusen wirkte finster, aus guten Grund, man hatte ihn bestohlen. vanDusen: Sehen sie mein lieber Hatch, meine schwarze Tasche. Hatch: Ihr chemophysikalisches Miniaturlabor, meinen sie Prof. vanDusen: Eben dieses, mein lieber Hatch, des Nachts während ich schlief wurde es gewaltsam geöffnet. Hatch: Ach ja und fehlt was. vanDusen: wie es scheint wurde lediglich ein Fläschchen mit HCl vulgo Salzsäure entwendet. Hatch: Sowas, die schlucken hier wohl alles. vanDusen: Um gottes willen Hatch. Hatch: Und sonst haben sie keine sorgen Prof, arbeiten sie lieber einen Fluchtplan aus. vanDusen: Mein lieber Hatch, ich denke nicht daran, einige Tage relativer Unbequemlichkeit, der Verlust einer nicht allzugroßen Summe, deshalb das Risiko einer gefahrvollen Flucht durchs Gebirge einzugehen, lohnt wahrlich nicht, fassen sie sich ein bißchen in Geduld. Gojko: Los, los, Mr Hatch an die Arbeit, in die Küche marsch. Hatch: Und ich in der Küche wurde ich ganz schön in Atem gehalten, erst ausfegen dann Kartoffelschälen und schließlich Maisbrei rühren, stundenlang, eine verantwortungsvolle wenn auch reichlich stumpfsinnige Tätigkeit, Führer Dimitri, der zwischen den Mahlzeiten frei hatte, leistete mir Gesellschaft, an einer etwas abseits gelegenen Feuerstelle stocherte er in einem Topf herum. Hatch: Was brutzeln sie denn, das riecht ja seltsam. Dimitri: Sehen doch Knochen von Schaf. Hatch: Abgenagte Hammelknochen und Wasser, was soll das werden wenn es fertig ist. Dimitri: Sie nichts angehen Mr Hatch kümmern um eigene Angelegenheit, bitteschön, rühren fleißig Kukuruzs sonst brennen an und Räuber böse. Hatch: Auch gut, ansonsten ereignete sich nichts an diesem Tag, oder doch, beim gemeinsamen Abendessen hatte der edle Tafelspitz eine Ankündigung zumachen. Tafelspitz: Sans a bißl still ich bitt schön. Drako: Ruhe. Tafelspitz: Naja verehrte Anwesende, Damen und Herren Räuber sowie geschätzte Mitgefang wollte sagen Gäste, am morgigen Tag schreiben wir den 18 August und wie jeder brave Österreicher weiß, geruht sich am 18 August der holdselige Geburtstag seiner allergnädigsten kaiserlichköniglichen Majestät Franz Josef zu zu stattzufinden. Hoch soll er leben. Tafelspitz: Ich bin kei Redner verehrte anwesende, doch es drängt mich zu konstatieren, daß so ein glorreicher patriotischer Feiertag ja gefeiert werden muß, auch unter widrigen oder sagen wir ungewöhnlichen Umständen, nun ich machs kurz, anläßlich des erhabenen Anlaßes erlaube ich mir alle verehrten anwesenden zu einem Festmahl einzuladen, morgen abend soll hier aufgetischt werden, was Küche und Keller vermögen, zu ehren seiner Majestät. Drako: Für die Kosten aber kommen sie auf Herr von Tafelspitz. Tafelspitz: I zahl alles. Die Getränke auch. Tafelspitz: Na selbstverständlich. Hatch: Da, jetzt steckt er sich schon wieder eine Havanna an. vanDusen: Wen meinen sie, mein lieber Hatch. Hatch: Den Tafelspitz, das ist jetzt die fünfte, ich habe mitgezählt und ich armes Schwein habe seit gestern nichts mehr zu rauchen. vanDusen: In der Tat mein lieber Hatch, so hat unser erzwungener Aufenthalt in dieser Wildnis denn doch sein gutes, sie werden wenn auch wie ich zu befürchten Anlaß habe lediglich für wenige Tage dem Laster des Nikotingenußes entsagen müssen. Hatch: Am 18 August gegen 6 Uhr abend fing es an das rauschende Festmahl für Kaiser Franzjosef und alle waren bester Stimmung alle bis auf Hutchinson Hatch ihren ergebenen Diener, und letzteres meine ich wortwörtlich, vom frühen morgen an hatte ich mir am Herd die Beine in den Bauch gestanden, und jetzt mußte ich sie mir wieder ablaufen, Schüsseln, Töpfe, Flaschen schleppen, vorlegen, eingießen, immer auf trab, auch der gute Dimitri machte übrigens keinen ganz glücklichen Eindruck, er war im Dienst und stand unter dem Stuhl des Häuptlings und sah ausgesprochen nervös aus, wahrscheinlich hoffte er inständig daß niemand auf die Idee kam den alten gerade jetzt zu vergiften, wie gesagt, es war ein rauschendes Fest, von Tafelspitz hielt eine Rede, alle schrien hurra, der Gusla, der lokale Barde griff in die Seiten das heißt in die Seite, denn das traditionelle Instrument dieser Landstriche, die Guslar hat nur eine, der Guslar besang endlos und steinerweichend die Heldentaten der edlen Räuber vom Stamme Wassojewitsch und es wurde gegessen. Gojko: Der erste Gang, saure Kraupensuppe mit Kuttel. Hatch: Es wurde gegessen, aber nicht einfach drauf los, sondern nach strenger Etikette, der Chef nahm seinen großen silbernen Löffel, tauchte ihn in seine Schüssel und reichte ihm gefüllt dem Vorkoster, der steckte ihn den Mund, schluckte, gab ihn zurück, eine Minute gespanntes warten und wenn der Vorkoster dann noch am Leben war, fing der Chef an zu essen und gab so das Signal zum Beginn der allgemeinen Brekelei. Gojko: Der zweite Gang, Hammel am Spieß gebraten. Bullrich: Hammel am Spieß. Hatch: Mit Salz, Knoblauch, Zwiebeln und Fladenbrot, nicht raffiniert aber reichlich, das konnte man auch vom dritten Gang sagen, als Dessert gab es einheimischen Landwein blutrot und essigsauer oder Slibovicz ganz nach Wunsch und dabei meine Damen und Herren ist es dann passiert, ich entkorkte eine Weinflasche, goß dem alten Drako Wassojewitsch ein, der nahm einen großen Schluck, stellte das Glas ab, plötzlich sprang er auf mit verzerrtem Gesicht krampfte beide Hände um den Hals. Gojko: Vater, vater, vater was hast du. vanDusen: Er ist tot. Gojko: Tot, vergiftet. vanDusen: Ja ohne jeden Zweifel. Gojko: Dann weiß ich, wer ihn auf dem Gewissen hat, du warst es. Hatch: Ich. Gojko: Ja du Hutchinson Hatch aus Amerika. Hatch: Das ist doch nicht ihr Ernst, ich mach ja jeden Blödsinn mit aber. Gojko: Du hast den Korken aus der Flasche gezogen, du hast den Wein eingeschenkt, und dabei hast du das Gift hineingetan, nur du konntest das tun. Hatch: Aber warum sollte ich denn. Gojko: Du hast meinen Vater getötet, unseren Häuptling, du bist der Blutrache verfallen, bindet ihn, du wirst deine Tat sühnen und diese Sühne wird schrecklich sein, holt einen Pfahl, spitzt ihn an. Hatch: Wieso Pfahl. Gojko: Weil wir dich pfählen werden du Hund. Hatch: Und wie macht man das. Gojko: Du wirst auf einen hohen spitzen Pfahl gesetzt hier vor unser aller Augen und wir werden zuschauen wie du schreist und dich windest wenn die Spitze in dein Gedärm dringt tiefer und tiefer, Höllenqualen wirst du leiden. Hatch: Sagen sie mal wollen sich wirklich so viele Mühe machen. Pope: Haltet ein meine Kinder, höret den Mann Gottes. Gojko: Was willst du Pope, mach es kurz. Pope: Seid ihr Türken, seid ihr Heiden, nein das seid ihr nicht, Christen seid ihr und so handelt denn auch an diesem Menschen wie es Christen geziemt mit Sanftmut und Milde. Gojko: Nicht pfählen. Pope: Nein mein Sohn dies wäre unchristlich. Gojko: Was sollen wird dann mit ihm machen, schlag was vor Pope. Pope: Nun mein Sohn warum schneiden wir ihm nicht einfach den Kopf ab, so haben schon unsere frommen Vorväter Mord und Totschlag geahndet. Gojko: Das ist viel zu leicht für den Kerl Pope. Pope: Nicht wenn wir ein ganz besonders stumpfes Messer benutzen mein Sohn. Hatch: Prof tun sie doch was, helfen sie mir. vanDusen: Meine Herren leihen sie mir für einen Augenblick ihr Ohr, bei allem Verständnis für ihren berechtigten Unmut, zügeln sie ihren Übereifer, begehen sie keinen Fehler den sie später bereuen könnten, Mr Hatch lassen sie sich das von mir gesagt sein, Mr Hatch ist nicht der Mörder. Gojko: Sie können uns viel erzählen, sie sind sein Freund. vanDusen: Zunächst einmal bin ich Prof DrDrDrAugustus van Dusen Amateur-kriminologe von nicht gewöhnlichem Ruf, und als solcher versichere ich ihnen, Mr Hatch ist unschuldig, hören sie auf mich, meine Herren, bei einem Gift welchem ihr dahin geschiedner Häuptling zum Opfer fiel, handelt es sich, der typische Bittermandelgeruch an seinen Lippen beweist es, um eine der Zyanverbindungen. Gojko: Was. vanDusen: Zyan Wasserstoff besser bekannt als Blausäure, oder Kaliumzyanatum, kurz Zyankali, beide gehören bekanntlich zu den rapiden in sekundenschnelle wirksam werdenden Giften. Gojko: Natürlich der Wein. vanDusen: Sie irren, mein bester, überzeugen sie sich selbst, weder die Flasche noch das Glas erhalten auch nur eine Spur von Zyan. Gojko: Überzeugen ja wie denn. vanDusen: Mittels ihrer Nase, mein bester riechen sie. Gojko: Ah, nein, nein keine bittere Mandel. vanDusen: Bitte. Gojko: Das ist unmöglich Prof sie sagen das Gift wirkt sofort und wenn im Wein keins war wie ist mein Vater dann vergiftet worden, sicher er hat vorher Graupensuppe gegessen und Hammelbraten aber das lag eine halbe Stunde oder noch länger zurück und dann wäre ja auch der Vorkoster daraufgegangen, die ganze Sache ist. vanDusen: Ein Rätsel wollen sie sagen, ich stimme ihnen zu, ein nicht uninteressantes kleines Problem, eine kriminologische Herausforderung, der ich mich stellen werde, ich übernehme den Fall. Hatch: Für mich, danke Prof, ich danke ihnen. vanDusen: Ihretwegen mein lieber Hatch ja dies auch doch in erster Linie sehe ich mich motiviert durch die mysteriösen Umstände, die scheinbare Unvereinbarkeit der Fakten, die Aura des auf den ersten Blick Unmöglichen, geben sie mir Zeit bis Morgen mein bester und ich werde ihnen den Täter präsentieren. Hatch: Manchmal kann er recht innervierend sein der Prof aber wie ich immer sage besser ein enervierender Prof als ein angespitzter Pfahl, Gojko vertagte seine unfreundlichen Absichten, er blieb aber mißtrauisch, nicht nur mir gegenüber, Gojko sperrte uns acht Gäste alle zusammen in einen Kellerraum und stellte eine Wache vor die Tür, da saßen wir nun und versuchten uns auf die Ereignisse der letzten Stunden einen Vers zu machen. Tafelspitz: Na was sag ich kein Anstand die Tschuschen, ausgerechnet an Kaisers Geburtstag muß er sich umbringen lassen, der Frechling, der Ausgschamte. Dimitri: Herr Prof sagen bitte Wer ist Mörder. Bullrich: Sicarius sicarii maskulin. vanDusen: Doch wohl eher venefikus Dr Bullrich wir haben es mit einem Giftmischer zu tun, nicht mit einem Messerstecher. Bullrich: Requie, Herr Kollege. Bernhardine: Baltasar es ist ja alles zu furchtbar. Bullrich: Beruhige dich teuerste, sie wissen ja meine Gattin ist blutarm. Mayfair: Also ich glaube es war dieser Goyko, der hat seinen Vater umgebracht. vanDusen: In der tat Miss Mayfair von wannen wart solche Weisheit. Mayfair: Machen sie sich nur lustig, Prof ich weiß was ich sage, Gojko hat ein Motiv. Bullrich: Causa causae femininum. Mayfair: Jetzt ist er nämlich Häuptling oder poglawica wie die hier sagen gut kombiniert was. Franco: Brava carissima, du bist so klug wie senior Sherlock Holmes. Hatch: Auch das noch. vanDusen: Kommen sie mein lieber Hatch. Hatch: Der Prof winkte mich in eine Ecke und fing an mich über Dimitri auszufragen ob mir irgendetwas Ungewöhnliches an oder bei ihm aufgefallen sei, vielleicht in der Küche und ich erzählte ihm daß Dimitri gestern Hammelknochen ausgekocht hatte. vanDusen: Aha hochinteressant mein lieber Hatch, vor allem in Zusammenhang mit der aus meiner schwarzen Tasche entwendeten Salzsäure, die Konturen des Falles beginnen sich zu klären. Hatch: So na mir soll alles recht sein, wenn die Brüder mich nur nicht auf den Pfahl setzen oder mir den Kopf abschneiden. vanDusen: Seien sie unbesorgt mein lieber Hatch, es ist spät, begeben wir uns zu Ruhe. Hatch: Rotwein mit Sliwowiz ist ein ausgezeichnetes Schlafmittel, ich träumte von einer wunderbar duftenden Havanna, plötzlich gerade als ich anrauchen wollte, verwandelte sie sich in einen spitzen Holzpfahl. Bernhardine: Ha. Hatch: Ich schreckte hoch, riß die Augen auf, sah daß es schon hell war und hörte wie Frau Bullrich aus vollem Halse schrie. Bernhardine: Da liegt er Baltasar auf seinem Strohsack und überall Blut. Bullrich: Sanguies sanguie maskulinum, laß sehen geliebtes Weib, in der Tat, Dimitri ist tot, mortus, mortum. vanDusen: Kein Zweifel Dr Bullrich, seine Kehle ist durchschnitten. Bullrich: Und da sein offenes Taschenmesser blutbefleckt neben seiner rechten Hand liegt bedarf es keinerlei meisterdetektivischen Scharfsinns Selbstentleibung zu konstatieren, mors voluntaria. vanDusen: Meinen sie, aus welchem Grund sollte unser Führer sich töten. Hatch: Der Grund zeigte sich als wir die Taschen der Leiche durchsuchten, ein kleines Stück weißer Substanz das aussah wie das Ende einer Zuckerstange. Bullrich: Oder wie Kreide, creta creatae femininum, lassen sich mich einmal kosten, Mr Hatch. vanDusen: Um gotteswillen nicht in den Mund, legen sie das Stück ab mein lieber Hatch und waschen sie sich bei nächster Gelegenheit gründlichst die Hände, ja wie ich erwartet habe, Zyankali, bekanntlich wird dies hochgiftige Salz in form solcher Stangen gehandelt. Hatch: Zyankali, na dann ist ja alles klar. Mayfair: Dimitri hat den alten Häuptling vergiftet. Franco: Nichte Gojko, carissima. Bullrich: Und dann er gemerkt, daß sie ihm auf die Schliche gekommen sind, Herr Kollege. Mayfair: Sie haben ja laut genug geredet gestern abend. Bullrich: Und deshalb hat er sich eigenhändig entleibt. Hatch: Aus Angst vor Blutrache. Bullrich: Quod erat demonstrandum. Bernhardine: Ja wer hat denn nun wen umgebracht Baltasar. Bullrich: Ich werde es dir später explizieren, teuerste, meine Gattin ist ja so blutarm. vanDusen: Auch ich werter Dr Bullrich meine Herrschaften bin mir des tatsächlichen Ablauf der Geschehnisse nicht so sicher, wie sie es zu sein scheinen, in einem Punkte kann ich allerdings voll und ganz beipflichten, Dimitri unser Führer hat dem Oberhaupt der Sippe Wassojewitsch Zyankali appliziert. Mayfair: Ja und das sagen sie so leicht dahin Prof. vanDusen: Warum nicht, Miss Mayfair sie haben doch die gleiche Behauptung aufgestellt. Mayfair: Naja wo er doch das Gift in der Tasche hatte aber sonst, wissen sie denn wie er den alten vergiftet hat Prof. vanDusen: Gewiß weiß ich das, Miss Mayfair. Mayfair: Ja und wollen sie es uns nicht verraten, bitte. vanDusen: Meine Herrschaften, angesichts ihrer Inständigkeit erkläre ich mich gern bereit ihrem Ersuchen stattzugeben. Hatch: Wie gern. vanDusen: Jedoch nicht an diesem tristen Orte, Prof van Dusens Aufklärungsvortrag erheischt einen anderen, einen würdigeren Rahmen, Wächter rufen sie mir ihren Häuptling. Hatch: Zehn Minuten später standen wir auf dem Hof, alle, auch der edle Tafelspitz, der sich aus dem Trubel um den toten Dimitri vornehm rausgehalten und derweil seelenruhig rasiert hatte, vor einem Taschenspiegel, natürlich hatten sich auch sämtliche Wassojewitsche eingefunden, schließlich wollten sie erfahren, wer ihren alten Chef ermordet hatte, der Prof stieg auf den großen Banketttisch, sah sich um, und fing an. vanDusen: Wertes auditorium, zwei plus zwei, nicht zum ersten male finde ich Veranlassung auf diese unbestreitbare Tatsache hinzuweisen, zwei plus zwei ergibt vier. Hatch: Immer und überall. vanDusen: Oder lassen sie es mich anders ausdrücken, ausgekochter Hammelknochen plus Salzsäure ergeben nun. Bullrich: Nesciore domine Kollege. vanDusen: Die Summe heißt Gelatine, dieser Stoff hierzulande fraglos noch wenig bekannt findet Mrs Mayfair und Frau Bullrich werden es bestätigen, bei uns zuhause immer häufiger Verwendung in der feinen Küche, bei der Komposition von Gelee beispielweise. Bernhardine: Aspik Prof, Aspik auch. vanDusen: Daran zweifele ich nicht Frau Bullrich, auf welche Weise wertes Auditorium wird Gelatine hergestellt, man nehme Knochen, reinige sie sorgsam und befreie sie sodann mittels Applikation von Salzsäure von anorganischen Bestandteilen, das heißt von phosphorsaurem und kohlesaurem Kalk, zurück bleibt eine knorpelartige Substanz, welche man nun in Wasser solange kocht bis sie sich auflöst, den bei milder Hitze reduzierten Sud läßt man erstarren, möglichst in platten Formen, bei Ermangelung solcher tut es auch ein flacher Teller und fertig ist die Gelatine, ein spröder glänzender durchsichtiger Stoff, in praxi die reine Erscheinungsform von Glutin oder Knochenlaib. Tafelspitz: Na dankschön für die Nachhilfe aber ich seh nicht ein was das damit zu tun hat. vanDusen: Warten sies ab Herr von Tafelspitz, nach dieser Methode welche dies sei am Rande angemerkt nach meinem franz. Kollegen Darfi benannt zu werden pflegt hat Dimitri, unser Reiseführer, Gelatine produziert, hier auf Burg Urusch, er hat wie Mr Hatch bezeugt, Knochen gekocht, nachdem er diese, daran kann ja wohl kein Zweifel obwalten, mit hilfe der meiner Person entwendeten Salzsäure vorschriftsmäßig gesäubert hat. Franco: Bene bene Prof, materke, warum. vanDusen: Gelatine, Senior Peroni, wertes auditorium, stellt eine im Endstadium relativ resistente Substanz dar, eine Substanz welche von Säure, etwa der menschlichen Magensäure nur langsam aufgelöst wird. Hatch: Aha. vanDusen: Ganz recht mein lieber Hatch, aha, wir wissen Drako Wassojewitsch hat das Zyankali nicht im Wein zu sich genommen, angesichts der bekannt schnell Wirkung des Giftes kann es ihm auch nicht in der vorher genossenen Speise beigebracht worden sein, so dachte man, und so sollte man denken, wenn jedoch die Zyankalidosis in Gelatine eingeschlossen war, so mußte zwischen Einnahme und Resultat eine gewisse Zeitspanne liegen, eine halbe, eine ganze Stunde, je nach Stärke der Gelatine. Bullrich: Das tödliche Gift befand sich also in einer der Speisen, cibus cibu maskulin. vanDusen: Aber so werden sie fragen, wie konnte es in diesem Fall geschehen, daß der als Vorkoster fungierende Dimitri nicht am Gift zugrunde ging. Hatch: Ja. vanDusen: Zyankali, wertes Auditorium ist ein höchst intensives Gift, die tödliche Dosis liegt noch unter ein halben Gramm, das bedeutet die zur Ausführung des Mordes notwendige Gelatinekapsel brauchte nicht größer zu sein als sagen wir ein Getreide- oder Pfefferkorn, eine so winzige Kapsel kann mit Leichtigkeit für eine gewisse Zeit im Munde verborgen gehalten, unbemerkt auf einen Löffel geschoben und mit diesem in die Schüssel des Opfers praktiziert werden, besonders einfach erscheint eine solche Manipulation oder sollte ich korrekter Linguapulation sagen wenn es sich bei der betreffenden Speise um eine Graupensuppe handelt, sieht doch eine kleine Kapsel aus heller Gelatine mit einem ebenfalls hellen Zyankalikern einer Graupe täuschend ähnlich. Hatch: Ah darum sah Dimitri beim vorkosten so angespannt aus, naja wenn er das Ding ausversehen runtergeschluckt hätte. Gojko: Ein besonders heimtückischer Mord, aber plausibel, so wie sie es erklärt haben ProfvanDusen, ich bin überzeugt, wir alle sind überzeugt, Dimitri hat meinen Vater getötet, aber warum, Prof warum, das verstehe ich nicht. vanDusen: Meine Ausführungen wertes auditorium sind noch nicht beendet, Dimitri der Mörder war lediglich ausführendes Organ. Gojko: Ich muß sie unterbrechen Prof, Milosch, der Bote den mein Vater nach Kataro geschickt hat, ist zurück, Milosch hast du das Lösegeld. Milosch: Jawohl Chef, hier. Hatch: Der muntere Mann mit dem Geld war dar, und was dann auf Burg Urusch los war, das hätten sie erleben sollen meine Damen und Herren, welch ein Jubel, welch ein Leben, alle drängten sich um Milosch und seinen Sack voll glänzender Silbertaler, Mord und Mörder waren vergessen oder wären vergessen gewesen, wenn van Dusen sich nicht energisch gehör verschafft hätte. vanDusen: Ruhe, ich ersuche um Ruhe, lassen sie mich wenn ich bitten darf meinen Vortrag in aller gebotenen kürze zu Ende führen, oder haben sie kein Interesse daran zu erfahren wer Drako Wassojewitsch wirklich. Hatch: Seid doch mal ruhig. Gojko: Aber das wissen wir doch Prof, Dimitri. vanDusen: Wie ich bereits anmerkte, war Dimitri lediglich Handlanger, Helfershelfer, Befehlsempfänger, er hat den Mord begangen in der tat, doch ein anderer führte ihm die Hand, ein anderer plante, zog die Drähte, dieser andere ist der eigentliche, der wahre Mörder, der Mörder von Drako Wassojewitsch und von Dimitri. Bullrich: Dimitri hat Selbstmord begangen. vanDusen: Nullo modo Dr Bullrich, Dimitri wurde ermordet, zwei gewichtige Gründe hatte der Mörder für diese seine tat, erstens nachdem er meiner Unterredung mit Mr Hatch entnommen hatte ich sei seinem Komplizen auf der Spur, wollte er diesen daran hindern ihn zu verraten, und zweitens der vorgetäuschte Selbstmord hatte die Funktion Dimitri als Sündenbock auszuweisen und so die Aufmerksamkeit vom Drahtzieher im Hintergrund abzulenken. Mayfair: Wieso vorgetäuscht sein blutiges Messer lag doch direkt daneben. vanDusen: Eine präparierte falsche Spur, welche uns in die irre führen sollte, wie das geschulte Auge des Pathologen zweifelsfrei festzustellen in der Lage ist, wurde die tödliche Halswunde nicht durch das aufgefundene Taschenmesser verursacht sondern durch ein Rasiermesser. Hatch: Da war doch was. vanDusen: Wessen Hand wertes Auditorium führte das Rasiermesser, der Schauplatz des Mordes an Dimitri, jenes verschlossene und bewachte Kellergewölbe in welchem sich allein die acht Mitglieder unserer Reisegesellschaft aufhielten läßt keinen anderen Schluß zu. Bernhardine: Einer von uns, der Mörder ist einer von uns. vanDusen: In der Tat Frau Bullrich und nur ein Mitglied der Gesellschaft besitzt ein Rasiermesser. Hatch: Tafelspitz. Bernardine: Ja Tafelspitz. Tafelspitz: Hörens auf Herr Prof, machens ihnen ned lächerlich. vanDusen: Lassen sie mich bitte fortfahren, wie kommt es so lautet die nächste an meine Vorbemerkung anknüpfende Frage, wie kommt es daß Herr von Tafelspitz und nur Herr von Tafelspitz im Besitz eines Rasiermesser ist. Hatch: Ja und. vanDusen: Ich, Mr Hatch, Dr Bullrich, Senior Peroni, wir führten dieses der männlichen Toilette so notwendige Instrument nicht mit uns, waren wir doch lediglich auf einen kurzen Tagesausflug vorbereitet, anders Herr von Tafelspitz, er rechnete ganz ohne Frage mit einem mehrtägigen Aufenthalt. Hatch: Havannas hatte er sich auch genug eingesteckt. vanDusen: Und diese hochinteressante Tatsache wertes Auditorium macht es möglich zu den Motiven, den Hintergründen der gesamten auf den ersten Blick so kompliziert wirkenden Affäre vorzudringen, Dimitri mit von Tafelspitz im Bunde und von ihm bezahlt führte uns auftraggemäß an einen Ort, an welchem wir überfallen und gefangen wurden, Tafelspitz war im Bilde, weshalb keine Frage, er selbst hat den Überfall organisiert, zusammen mit Drako Wassojewitsch versteht sich. Gojko: Sie könnten Recht haben Prof, es sind öfter Boten zu Vater gekommen aus den österreichischen Gebieten Bosnien Kataro und er hat uns nie gesagt worum es ging. Bullrich: Incredible, warum sollte Herr von Tafelspitz mit einem Räuberhauptmann konspirieren. vanDusen: Herr von Tafelspitz ist beim Finanzministerium in Wien angestellt, dieses Ministerium verwaltet bekanntlich die von Österreich besetzten Gebiete auf dem Balkan, ohne jeden Zweifel ist Österreich höchlichst daran interessiert seinen Besitz durch die Einverleibung des bis dato unabhängigen Fürstentums Montenegro abzurunden, Unruhen an der Grenze, Räubereien, Überfälle kämen der Wiener Politik durchaus gelegen, würden sie doch vor der Weltöffentlichkeit eine spätere österreichische Invasion rechtfertigen, welche nur so das Kalkül einem krisen-geschüttelten Landstrich Ruhe und Frieden brächte. Mayfair: Raffiniert, dann ist Tafelspitz ja so was wie ein Geheimagent. vanDusen: So scheint es Miss Mayfair, Drako Wassojewitsch, davon bin ich überzeugt, war in diese politische Dimension keinesfalls eingeweiht, für ihn ging es lediglich um eine geschäftliche Vereinbarung, Tafelspitz hatte sich erboten, ihm eine Gruppe finanziell potenter Opfer zuzuführen, damit die Motive die wirklich hinter der Sache standen auch fernerhin verborgen blieben, war Tafelspitz von anfang an entschlossen, den Mitwisser Häuptling Drako nach durchgeführtem Überfall zu töten, zu diesem Zweck hatte er sich mit einer Stange Zyankali versehen, die präzisen Details der Untat, welche sein Handlanger Dimitri auf seine Anweisung auf die bereits geschilderte Art durchführte, hat Tafelspitz wie ich annehme erst auf Burg Urusch konzipiert, nach der Bestimmung Dimitri zum Vorkoster, ich bin am Ende wertes Auditorium, der Fall ist gelöst. Franco: Bravo Prof. Gojko: Du du warst es also du hast ihn getötet, die Blutrache wird dich verschlingen. Tafelspitz: I sog nix, gor nichts sag i. Bernhardine: Hättest du das gedacht Baltasar, vier Menschen hat er umgebracht, der nette Herr von Tafelspitz. Bullrich: 4 teuerste quartur, ich zähle deren nur 2, den Räuberhauptmann und Dimitri. Bernhardine: Na und der arme Monsieur Grenouille und der Kutscher, die hat er doch auch auf dem Gewissen. Mayfair: Toll wie sie das alles rausgekriegt haben Prof, vielleicht mach ich ein Buch daraus, Räuber, Mörder, Detektive oder so ähnlich. Hatch: Das lassen sie mal lieber, Miss Mayfair, Prof van Dusen darf nur einer literarisch ausschlachten und der heißt Hutchinson Hatch. Mayfair: Naja ist ja eigentlich auch kein Stoff für Roda Mayfair, die ist eher für Liebe und Leidenschaft, was Franco. Franco: Sisi carissima. Gojko: Prof van Dusen wie können wir ihnen unsere Dankbarkeit beweisen. Hatch: Na ganz einfach, rücken Sie sein Lösegeld wieder raus. Gojko: Oh unmöglich Mr Hatch. Hatch: Warum. Gojko: Das würde gegen unsere Berufsehre verstoßen, ein Räuber gibt niemals etwas zurück, wie wäre es denn mit der Würde eines Ehrenhäuptlings der Sippe Wassojewitsch, würden Sie das annehmen Prof. vanDusen: Prof van Dusen, Poglavica honoris causa, warum nicht. Gojko: Abgemacht, sie sind frei, alle, ah, bis auf Tafelspitz natürlich, der bleibt hier. Tafelspitz: No Schicksal. Hatch: Und das verdiente Schicksal hat ihn dann ja auch ereilt den edlen Tafelspitz, was genau mit ihm geschah, wollten wir gar nicht wissen, am Abend dieses ereignisreichen Tages sahen wir restlichen sechs Kataro vor uns liegen, unser Abenteuer in Montenegro war zu Ende. Bullrich: Finis finis maskulin. Was ich noch sagen wollte, meine Gattin ist blutarm. Professor van Dusen: Friedrich W. Bauschulte Hutchinson Hatch: Klaus Herm Drako Wassojewitsch, Räuberhauptmann: Heinz Rabe Gojko, sein Sohn: Friedhelm Ptok Nepomuk Edler von Taflspitz: Peter Matic Dr. Balthasar Bullrich, Oberstudienrat: Lothar Blumhagen Bernhardine, seine Gattin: Gudrun Genest Rhoda Mayfair, Schriftstellerin: Regina Lemnitz Franco Peroni, ihr Sekretär: Helmut Stauss Dimitri, Reiseführer: Joachim Grubel Jean-Baptiste Grenouille, Parfüm-Vertreter: Jean Cuillerier Pope: Hans Teuscher
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